Auch an diesem Abend ist wieder eine sehr bunte Mischung von Texten vorgetragen worden. Sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Kurzgeschichte „Keine Angst“ von Frank Schätzing, zwei Kapitel aus John Steinbecks „Früchte des Zorns“, ein Gedicht von Albert Schweitzer und das Kapitel über Orgasmus aus „Die Prinzenrolle“ von Dieter Schnack und Rainer Neutzling gehört. Der beitrag aus der Prinzenrolle ist in Ergänzung zu dem Gespräch eingebracht worden, das sich bei dem letzten Vorleseabend um das Thema Frauen- und Männerliteratur entwickelt hatte. Den Abschluss bildete, wie auch bei der ersten Veranstaltung, eine kleine Sinngeschichte, die zum Nachdenken Anlass geben sollte. Insgesamt hat das Lesen nicht so viel Zeit in Anspruch genommen wie am ersten Vorleseabend, so dass noch etwas Zeit für Gespräche und Diskussionen blieb. Man könnte auch sagen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne noch ein oder zwei Texte mehr gehört hätten oder auch: Am Ende der Texte war noch reichlich Zeit übrig.

Ich möchte hier auf zwei Aspekte eingehen, die während der anschließenden Gespräche angerissen wurden wurden. Beiden Aspekten ist gemeinsam, dass sie das Projekt „Die Lerninsel“ betrafen und nicht die vorgelesenen Texte.

Internetauftritt

Die Übersichtlichkeit des Internetauftritts von open-learning.net e.V. wurde angemahnt.

Ich bin mit dem Internetauftritt des Projektes nicht wirklich zufrieden. Neben der Homepage www.open-learning.net gibt es noch dieses Blog (Internettagebuch) blog.open-learning.net und das Lernbaumwiki lernbaum-wiki.open-learning.net. Gerade das Blog scheint mit der Homepage um die Gunst der Besucher zu konkurrieren und wahrscheinlich ist vielen Besuchern der beiden Seiten nicht bewusst, dass es die jeweils andere Internetseite überhaupt gibt. Die Idee des Blogs ist es regelmäßig und zeitnah über die Aktivitäten des Vereins open-learning.net e.V. und alle Entwicklungen des Pilotprojektes „Die Lerninsel“ zu berichten. Die unterschiedlichen Themen sollen einzelnen Schlagworten zugeordnet werden, so dass sie schnell gefunden werden können. Die Idee der Homepage ist Informationen, die im weitesten Sinne „statisch“ sind (mir fällt da kein besseres Wort ein) an immer der gleichen Stelle und immer unter dem gleichen Link anzubieten. Dazu gehören z.B. Öffnungszeiten, bestimmte Links etc. Im Grunde müssten beide Funktionen in einer Oberfläche realisiert werden. Eine Software, die das leisten könnte wäre wahrscheinlich Drupal. Für eine Umstellung des Internetauftritts auf eine komplett anderes System fehlt aber im Moment die Zeit. Ich habe es noch nicht einmal geschafft mir Drupal anzusehen obwohl mir das wärmstens ans Herz gelegt wurde.

Das Lernbaumwiki nimmt eine andere Stellung im Rahmen des Internetauftritts ein. Es hat den Zweck die Lernideen, ihre Fortentwicklung und Umsetzung zu dokumentieren. Wikis haben die Eigenschaft schnell unübersichtlich zu werden, wenn sie nicht laufend gepflegt werden. Auch hier müsste mehr getan werden. Auf das Zeitproblem habe ich schon hingewiesen. Menschen, die sich vorstellen können hier mitzuarbeiten werden angelernt, wenn das notwendig sein sollte.

Was die Homepage angeht, so habe ich die Menüs inzwischen um strukturiert und einige Inhalte abgeschaltet. Ich hoffe sehr dass das zur Übersichtlichkeit beigetragen hat. Über Rückmeldungen und weitere Kritik bin ich sehr dankbar. Der Prozess ist auch noch nicht ganz abgeschlossen.

Philosophie von Open Learning

Der zweite angesprochene Punkt auf den ich eingehen möchte, war der Hinweis von zwei Teilnehmerinnen, dass sie noch nicht verstanden hätten wie das Projekt Open Learning/Die Lerninsel eigentlich funktionieren solle.

Solche Aussagen höre ich oft. Dass wir das Pilotprojekt „Die Lerninsel“ gestartet haben ist im Grunde genommen eine Reaktion darauf, dass es schwer fällt die Philosophie des Projektes theoretisch zu vermitteln. Die Lerninsel soll die hinter dem Projekt stehende Philosophie augenfällig und praktisch vorführen. Ich habe versäumt die Gruppe, die sich an diesem Abend zum Vorlesen und Zuhören getroffen hatte als konkretes Beispiel zu nehmen. Oft fehlt einem ja in der Situation der Blick für das Nahe liegende. Man sieht einfach den Wald von lauter Bäumen nicht mehr. Eine Chancen, die für „Die Lerninsel“ und das ganze Open-Learning-Vorhaben in einer möglichen Weiterentwicklung der Vorleseabende liegt will ich hier also schriftlich beschreiben und hoffe damit verständlicher zu machen was das Konzept des Projektes ist.

Vorab will ich an dieser Stelle sind drei Sätze zu den theoretischen Grundlagen des Projektes entflechten: Open Learning ist die Idee einen offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess im Bildungsbereich anzustoßen. Menschen sollen angeregt und ermuntert werden gemeinsam zu lernen und die Formen und Inhalte dieses Lernens selbst entwickeln und bestimmen. Es soll sich auf diese Weise um die Lerninsel herum nach und nach eine Community bilden, die gemeinsam das Projekt weiter entwickelt und inhaltlich und personell trägt.

Die Idee einen Vorleseabend zu veranstalten stammt von mir. Mir war wichtig zu zeigen, dass in der Lerninsel auch Themen Platz haben, deren Schwerpunkt nicht im Bereich Computer-EDV-IT liegt.

Der erste Vorleseabend ist nicht folgenlos geblieben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben einhellig gesagt, dass sie daraus gerne eine regelmäßige Veranstaltung machen würde. Ich habe das aufgegriffen und den Vorleseabend in einem vierwöchigen Rhythmus in das Programm der Lerninsel aufgenommen.

Während des ersten Vorleseabends ist auch das Thema Bookcrossing angesprochen worden. Ich habe das ebenfalls aufgegriffen und einen Informationsabend zu Bookcrossing in das Programm der Lerninsel aufgenommen und durchgeführt.

Von der Projektidee her wäre eine Entwicklung wünschenswert die darauf hinaus läuft, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Vorleseabends von sich aus weitere Ideen entwickeln und diese in eigener Regie durchführen.

Ideen für eine solche Weiterentwicklung könnten z.B. die folgenden sein:

  • Die Gruppe liest gemeinsam ein bestimmtes Buch und diskutieren darüber. Daraus könnten sich weiter Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.

  • Die Gruppe beschäftigt sich mit einem speziellen Thema aus dem Bereich der Literatur.

  • Die Gruppe beschäftigt sich mit einem bestimmten Schriftsteller.

  • Die Gruppe schaut sich gemeinsam literatirwissenschaftliche Vorlesungsaufzeichnungen an, die Universitäten ins Netz gestellt haben und diskutiert darüber.

  • Die Gruppe experimentiert mit dem Vorlesen von Texten in einer Richtung bei der es darum geht, das Vorlesen selbst dynamischer zu gestalten.. wie liest man was, wie betont man, wie gestaltet man das Vorlesen von Dialogen, … …

Jede andere Weiterentwicklung ist denkbar. Wichtig ist, dass sich die Gruppe insgesamt oder einzelne Teilnehmer der Gruppe nicht mehr nur als Konsumenten einer Veranstaltung der Lerninsel begreifen sondern dass sie anfangen mit dem Möglichkeiten, die die Lerninsel bietet, zu experimentieren. Jemand aus der Gruppe könnte die Verantwortung für die Koordination der Aktivitäten übernehmen.

Die Gruppe könnte in den weißen Flecken des Belegungsplans der Lerninsel einen anderen Zeitpunkt für die Veranstaltung aussuchen. Sie könnte sich entscheiden häufiger zu tagen.., sie könnte das, was mit dem Vorleseabend angestoßen wurde weiter entwickeln.

Was bei all dem wichtig ist, ist dass die Prinzipien des offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozesses beibehalten werden. D.h die Gruppe bleibt offen für Menschen, die mitarbeiten wollen und sie dokumentiert die Entwicklungen und Inhalte ihrer Arbeit so, das sie nachvollziehbar sind. Das ist vor allen Dingen für mögliche Nachahmer wichtig. Ein wesentliches Ziel bei einem offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess ist es ja Nachahmer zu finden.

Wenn gesagt wurde, dass es wichtig ist, dass die Gruppe offen bleibt für Menschen, die sich an dem Entwicklungsprozess beteiligen wollen, so hat das sicherlich auch Grenzen. Die Zahl der Teilnehmer könnte zu groß werden. Die gewünschten Themen könnten inhaltlich zu weit auseinander liegen o.ä. Aber gerade solche Grenzen sind in einem offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess häufig Anlass für Weiterentwicklung. Es könnten sich neue Gruppen bilden, die auf die bereits dokumentierten Erfahrungen zurückgreifen können usw. usf. Da kommt dann auch das Schneeballprinzip durch, das ausdrücklich gewollt ist.